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Endys Lyrik

Die Schwelle

Wären die Grenzen des Überganges vom Traum zum Erwachen nur fließender, durchlässiger. Vom nebligen Erwachen zur Kontur gebenden Klarheit. Vom flüssigen Traumzustand zum kristallisierten Wachsein. Läge die Macht zwischen Traum und Realität in meinen Händen, so würde der Traum niemals enden – ich würde ihn ergreifen, in mich verweben und stets als Chimäre durch die Welten wandeln. Keine Schwelle wäre dicht genug, mich zu trennen, mich fernzuhalten von der Vollständigkeit. Ihre Siebkraft und der unentrinnbare Sog der äußeren Welten würden meine Seele nicht filtern, nicht scheiden können. Keine Vollmacht besitzen, meinem Bewusstsein den flüssigen Seelenkern zu entreißen. Nicht der Kraft befähigt sein, widerstandslos mich meiner leuchtendsten Elemente zu berauben. Mein Wesen zu fragmentieren und in ein dunkles Gebäude zu bannen. Jenes Haus, welches mich mein innerstes Wesen leugnen lässt, welches meine Sinne, meine Gedanken formt und mein Herz zügelt. Jener Ort welcher mein Feuer, mein Licht dämpft und zu einem kleinen Funken erkalten lässt. Wo finde ich den Baum, der mir den Geist offenbart, mich die Zauberformel lehrt, mich ermächtigt den Bann zu brechen, mir die Handfesseln löst um mich, in einer durch alle Schwellen wandelnde Chimäre, zu verwandeln.